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Erfahrungsbericht aus der COVID-19 Krise

Der Wolf holte Bigolf123 ins Rudel der Wikipedia-Autoren / Erfahrungsbericht aus der COVID-19 Krise

Zahlen von nationaler Bedeutung zu aktualisieren, ist eine grosse Verantwortung

Bigolf123 möchte – wie viele Wikipedia-Autoren – anonym bleiben. Er ist einer jener Freiwilligen, die auf der Seite „COVID-19 – Pandemie in der Schweiz“ permanent für Aktualität sorgen. Er hat sich der statistischen Angaben angenommen, beobachtet und passt Werte nahezu täglich an: die Gesamtzahl Erkrankungen, Neuinfektionen nach Kantonen, Todesfälle und andere.

Die Seite wurde zwischen Mitte März und Mitte April 2020, der heissen Phase der Pandemie-Krise in der Schweiz, über 300‘000 Mal aufgerufen. Mit Angaben von grossem nationalen Interesse zu arbeiten, bedeutet eine beachtliche Verantwortung. Dies ist für ihn jedoch einer jener Aspekte, die ihn an der selbst gewählten Aufgabe reizen. „Am Anfang hatte ich schon ziemlich Respekt, diese Seite zu bearbeiten“, gesteht der knapp 18-jährige. Seine Motivation bringt er schnell auf den Punkt: „Es macht einfach Spass, das frei zugängliche Wissen zu erweitern und zu erleben, dass auch ich meinen Beitrag dazu leisten kann.“ Und er ergänzt: „Zahlen sind eindeutig, da kann man nicht viel falsch machen.“

Die Quellenangabe ist stets dabei

Bevor die kantonalen Webseiten und die Seite des Bundesamts für Gesundheit (BAG) täglich aktualisiert wurde, die ihm als Quelle dienen, hat er Zahlen der grossen Tageszeitungen für seine Beiträge benutzt. Das sind öffentlich zugängliche, zuverlässige Quellen, die er bei den Aktualisierungen stets angibt. Würden diese fehlen, wären seine Angaben Wikipedia intern schnell wieder gelöscht. Die Wikipedia-Gemeinschaft ist in dieser Hinsicht peinlich genau und achtet darauf, dass die Regeln des Editierens auf dieser wie auf allen anderen Seiten streng eingehalten werden.

Erfahrung stärkt das Selbstbewusstsein

Den ersten Beitrag hat der Jung-Wikipedianer im Frühling 2019 bearbeitet und mit wachsender Erfahrung an Selbstbewusstsein gewonnen. Sein erster Kontakt mit Wikipedia ergab sich durch ein Schulprojekt zum Thema „der Wolf“, wo er bei der Informationssuche schnell auf Wikipedia stiess und dort die wesentlichen Informationen fand.

Per Langeweile zur neuen Passion

Es waren Langeweile und die Lust am Stöbern auf Wikipedia, die Bigolf123 Anfang März 2020 auf die Pandemie-Seite gelotst haben. „Zunächst habe ich die Seite beobachtet und dann festgestellt, dass bei den Zahlen keine Aktualisierungen stattfinden“, blickt der Gymnasiast zurück. Er begann, Informationen von verschiedenen Websites und Medienmitteilungen zusammenzutragen, zu analysieren und online zu stellen.

„Der Austausch im Autoren-Bereich reicht mir“

Ob er ein Computer-Freak oder Nerd sei? „Vielleicht ein bisschen“, antwortet er bescheiden. „Ich verbringe schon einen gewissen Teil meiner Freizeit hinter dem Bildschirm. Das soziale Leben findet aber trotzdem statt“, sagt er und lacht. Offline-Veranstaltungen von Wikimedia CH oder anderen Wikipedia-Events stehen aber nicht auf seinem Kalender. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die den persönlichen Dialog oder auch den Wettbewerb mit anderen Wikipedianern schätzen, hält er gern Distanz. „Der Austausch im Autoren-Bereich von Wikipedia ist völlig ok für mich.“ Und nein, Informatiker will er definitiv nicht werden. Vielmehr reizen ihn Linguistik oder Geschichte als Studienfächer. Besonders interessiert er sich für die indigenen Völker Mittelamerikas und die europäische Antike. „An Wikipedia-Seiten zu diesen Themen habe ich mich aber noch nicht herangetraut, das ist etwas für Experten. Das kommt vielleicht noch während des Studiums.“ Fest steht, dass die Mitarbeit an Wikipedia weiterhin sein Hobby bleiben wird.

Der Gemeinschaft wieder etwas zurückgeben können

„Früher hatte nur ein kleiner Teil der Gesellschaft Zugang zu Informationen. Heute stellt Wikipedia Unmengen von Wissen zur Verfügung. Jeder kann darauf zugreifen“, ist Bigolf123 vom Konzept der Wikipedia begeistert. Er habe schon viel von diesem freien Wissen profitiert. Er findet es klasse, durch seine Mitarbeit eine Möglichkeit zu haben, dem Movement wieder etwas zurückgeben zu können. „Ich würde mich freuen, wenn meine Beiträge anderen bei ihren Recherchen weiterhelfen. Insofern wird Wikipedia ein Teil meines Lebens bleiben.“

 

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