Weltgrösstes Online-Lexikon wird 25

Wikipedia, das meistgenutzte Online-Lexikon der Welt, wird auch im KI-Zeitalter an seinem Community-Modell festhalten: Freiwillige recherchieren, prüfen Quellen, erstellen und aktualisieren die Artikel. Zum 25. Geburtstag betont Wikimedia CH: KI bleibt bei Wikipedia ein Werkzeug, keine Autorin.
Morgen vor genau 25 Jahren, am 15. Januar 2001, ging Wikipedia online, zuerst in der englischen Sprachversion. Sie umfasst heute 7,1 Millionen Artikel. Im März 2001 folgte die deutschsprachige Wikipedia (3,1 Mio. Artikel). Im Mai 2001 gingen die französischen (2,7 Mio. Artikel) sowie die italienischsprachige Wikipedia (1,9 Mio. Artikel) online. Aktuell gibt es Wikipedia in 342 aktiven Sprachversionen, darunter auch in Rumantsch (3800 Artikel), der vierten Schweizer Landessprache. Die insgesamt kleinste Sprachversion in Wikipedia ist übrigens Tigre – gesprochen in Eritrea und im Sudan – mit derzeit 43 Artikeln und 16 aktiven Nutzern.

Doch während KI-Chatbots das Internet fluten, positioniert sich Wikipedia klar: «Wikipedia ist weiterhin die grösste freie Enzyklopädie der Welt und inzwischen auch eine zentrale Datenquelle für das Training von KI-Modellen, aber wir setzen bei der Erstellung unserer Inhalte weiterhin auf den Menschen», sagt Jenny Ebermann, Geschäftsführerin von Wikimedia CH. «Die Inhalte, die durchweg von Ehrenamtlichen erstellt und gepflegt werden, leisten einen unschätzbaren Beitrag dafür, dass freie, korrekte und neutrale Informationen für jeden verfügbar bleiben.» In den Top 10 der meistgenutzten Webseiten der Welt ist Wikipedia das einzige nicht-kommerzielle Angebot.

Schweizer Besonderheit

Da die Wikipedia nach Sprachräumen und nicht nach Ländern organisiert ist, existiert keine spezifische «Schweizer Wikipedia». Stattdessen treffen in der Schweiz drei grosse Sprachräume sowie Rätoromanisch und Alemannisch aufeinander. Diese kulturelle Vielfalt macht die Schweizer Community innerhalb des Wiki-Movements einzigartig. Mit Spendeneinnahmen von 4,1 Millionen Franken (2024) fördert Wikimedia CH Projekte, die Qualität, Vielfalt und Zugänglichkeit dieses freien Wissens sichern – auch über die Schweiz hinaus.

Vier Punkte: Wie Wikipedia KI nutzen will (und wie nicht)

In ihrer KI-Strategie bis 2028 hat die Wikimedia-Stiftung festgelegt, dass die inhaltliche Hoheit bei Menschen, also bei den Freiwilligen der Community, bleibt. KI soll lediglich dort assistieren, wo sie Arbeit erleichtert:

  • Routineaufgaben: Unterstützung der Wikipedia-Moderatoren und -Prüfer durch KI gestützte Arbeitsabläufe, die Standardaufgaben automatisieren (z. B. Vandalismus Bekämpfung)
  • Recherche-Hilfe: Zeitersparnis für Wikipedia-Bearbeiter durch verbesserte Auffindbarkeit von Informationen, damit diese sich auf die Inhalte fokussieren können;
  • Lokalisierung: Automatisierte Übersetzung und Anpassung an lokale Standards (z. B. Einheiten, Währungen), wie sie der Kontext des Textes erfordert;
  • Onboarding: Automatisierte Elemente bei der Einweisung neuer Freiwilliger, die das Mentoring durch erfahrene Wikipedianer unterstützen.

Schweizer Pilotprojekt testet Grenzen

Ob und wie diese Tools eingesetzt werden, entscheidet die Basis. In einem aktuellen Pilotprojekt in der Schweiz hat die Community kürzlich getestet, ob KI hilfreich sein kann, um Informationen für Artikel vorab zu strukturieren. Die Erfahrungen werden derzeit ausgewertet. «Sämtliche inhaltlichen Entscheidungen werden auch in Zukunft von Menschen getroffen – immer durch die Gemeinschaft der Autoren», betont Jenny Ebermann. «Automatische
Übersetzungen sind bei uns immer nur erste Vorschläge, die zwingend einer menschlichen Prüfung bedürfen. Denn: Bei uns entscheidet immer der Mensch, nicht die Maschine.» Das 25-jährige Jubiläum wird vom Wiki-Movement in der Schweiz mit diversen Veranstaltungen unter dem Motto «Wissen, was uns verbindet» gefeiert.

Ressourcen

Highlights